Interview mit Dirk Römer – Liebe & Familie
5. November 2018

Ist die Vereinbarkeit wirtschaftlichen Erfolgs und gesellschaftlicher Verantwortung ein Traum oder ist es vielleicht doch möglich? Mit Bond of Responsibility (BoR) hat Unternehmer Dirk Römer ein Netzwerk erschaffen, das soziale Projekte unterstützt und daran arbeitet, auch international Partner zu gewinnen.

Herr Römer, das Projekt “Bond of Responsibility“ verbindet Menschen und Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen möchten. Können Sie uns kurz beschreiben, wie die Idee zu der Initiative entstanden ist? Was ist Ihr Antrieb?

Lieber Herr Grünewälder, ich bin der Meinung, dass wir uns als Mensch und als Unternehmer, sozial engagieren sollten! Es reicht nicht, regelmäßig sein Kreuz zu machen und dann abzuwarten, was passiert. Wir als Bürger sind die Gesellschaft und müssen diese mit Leben füllen und Verantwortung übernehmen. Aus dem tiefen Wunsch heraus, etwas in der Gesellschaft zu bewegen, habe ich mein Herzensprojekt „Bond of Responsibility“ gegründet und bringe damit Menschen und Unternehmen zusammen, die sich engagieren.

LedermanufakturGemeinsam mit seiner Frau hat Dirk Römer die Manufaktur seines Urgroßvaters wieder aufleben lassen. Die hochwertigen Ledererzeugnisse werden in Deutschland hergestellt.
Mit dem Projekt begleiten Sie die Integration junger Menschen oder fördern Bildungsprojekte. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus und wie wird die Unterstützung in der Praxis umgesetzt?

Wir unterstützen kleine soziale Projekte, die mit viel Herzblut geführt werden – oft ehrenamtlich. Meist sind es Empfehlungen von Mitgliedern aus unserem Netzwerk. Unsere Unterstützung erfolgt durch Spenden. Gleichzeitig machen wir in den sozialen Medien und auf unserer BoR-Webseite auf die Projekte aufmerksam.

Sie selbst leiten das Traditionsunternehmen Hanford & Römer, das seine qualitativ hochwertigen Taschen ausschließlich in Deutschland produziert. Wie setzen Sie selbst nachhaltiges Wirtschaften im eigenen Betrieb um?

Ja, Tradition verpflichtet! Meine Frau und ich haben die Manufaktur meines Urgroßvaters in 2014 wieder aufleben lassen. Ein weiteres Herzensprojekt von mir! Nachhaltiges Wirtschaften ist für uns als Manufaktur wichtig. Wir verwenden zum Beispiel nur deutsches Leder, welches auch in Deutschland gegerbt wurde. In Deutschland gelten die höchsten Umweltstandards und gleichzeitig haben wir kurze Lieferwege, was die Umwelt schont. Des Weiteren produzieren wir nur nach Auftragseingang. Dies bedeutet, dass wir keine Überproduktionen haben und damit kein Material verschwenden. Auch die Verschnitte werden weiterverarbeitet, sodass kaum Abfall und Müll anfallen. Dies zieht sich bis zur Verpackung durch, denn auch diese Materialien stammen aus Deutschland.

Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass wirtschaftliches Handeln ohne Überproduktion, Ausbeutung oder Verschwendung von Rohstoffen möglich sein muss. Ist das nicht eine Utopie?

Preise und Kaufverhalten entscheiden heute den Markt. Wir als Manufaktur können natürlich anders auf den Markt reagieren. Jedoch das Höher-schneller-weiter-Prinzip könnte durchbrochen werden. Wenn mehr Kunden sich wieder für den Weg „Qualität kaufen“ entscheiden und somit mehr Druck auf die Konzerne ausüben. Vielleicht würden dann auch die Produzenten umdenken. Da jedoch Gewinnmaximierung ganz oben steht, gebe ich Ihnen wohl Recht, dass es vielleicht eine Utopie ist. Jedoch handeln wir anders und dies ist ja auch ein Anfang.

Petit Hope Anhänger - BOND OF RESPONSIBILITY

Mit dem Petit Hope Symbol-Anhänger unterstützt Bond of Responsibility soziale Projekte

Mit dem Lederanhänger „Petit Hope“ hat Designerin Silke Hanford, ein Accessoire erschaffen, das über einen Teil des Verkaufspreises soziale Projekte unterstützt. Können Sie uns sagen, welche Initiativen damit ganz konkret gefördert werden?

Ja, unser Petit Hope Symbol-Anhänger ist ein Zeichen der Wertschätzung. Mit jedem verkauften Anhänger unterstützen wir soziale Projekte. Derzeit sind es Projekte zu den Themen Altersarmut, Integration und Bildung. Weitere Projekte werden folgen. Der Käufer entscheidet, wohin wir das Geld dann spenden.

Martin Winterkorn, Thomas Middelhoff oder Joe Kaeser: Deutsche Spitzenmanager fallen nicht gerade durch ihre soziale Verantwortung auf. Brauchen wir in Deutschland eine neue Werte-Debatte?

Auf jeden Fall brauchen wir eine Werte-Diskussion. Wie schon eingangs gesagt, sind wir alle „die Gesellschaft“ und müssen dafür sorgen, die Schwächeren nicht zurückzulassen. Das erhält den sozialen Frieden. Jeder ist wichtig! Wünschenswert wäre natürlich, wenn auch Top-Manager und Konzerne diese Werte vorleben. Es muss immer Vorbilder geben. Auch die Presse hat Einfluss auf solche Themen. Jedoch kann und will ich nicht darauf warten! Mein Motto dazu: „Jeder kann etwas bewegen, man muss sich nur selber bewegen!“ Hiermit meine ich, dass man nicht immer Geld spenden muss, man kann sich zum Beispiel auch ehrenamtlich engagieren.

Wenn Sie an soziale Verantwortung und nachhaltiges Unternehmertum denken: Haben Sie Vorbilder, die Sie inspirieren?

Grundsätzlich habe ich keine Vorbilder! Ich ziehe jedoch vor jedem den Hut, der etwas für unsere Gesellschaft tut und dies oft ohne Wenn und Aber! Wenn wir genau hinschauen, wäre unser Land aufgeschmissen, ohne die vielen Ehrenamtlichen und Helfer in Vereinen etc. Das sind für mich die wahren Helden und Vorbilder!

Bond of Responsibility hat sich schon wunderbar entwickelt. Ich habe im Februar dieses Jahres erst begonnen und mittlerweile sind wir schon 80 Mitstreiter.

Im November werden wir unser erstes Mitglied in Österreich begrüßen können. Ziel ist es, aus BoR ein europaweites Netzwerk zu schaffen und damit viele soziale Projekte zu unterstützen. Meine persönlichen Ziele liegen darin, dass ich meine beiden Herzensprojekte Bond of Responsibility: und Hanford & Römer weiter mit Leben füllen kann und damit etwas zu bewegen. Erreichen werde ich meine Ziele durch viel Fleiß, Engagement, Herzblut und natürlich durch die Unterstützung meiner Frau, unserer Mitarbeiter und des weiteren durch mein wunderbares Netzwerk, denn: „Nur gemeinsam sind wir stark!“

Herr Römer, wir bedanken uns für das interessante Interview und wünschen Ihnen persönlich und Ihren Projekten viel Erfolg!

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